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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Der Schnitzaltar in der Landsberger Doppelkapelle

Der Schnitzaltar in der Landsberger Doppelkapelle

Inge Fricke

Der Schnitzaltar in der Landsberger Doppelkapelle

Der Schnitzaltar der romanischen Doppelkapelle St. Crucis auf dem Kapellenberg entstand um 1525 (Foto: Gunter George, Museum Landsberg)
Der Schnitzaltar der romanischen Doppelkapelle St. Crucis auf dem Kapellenberg entstand um 1525 (Foto: Gunter George, Museum Landsberg)

 

Wie ein riesiger Wohnturm erhebt sich die romanische Doppelkapelle "St. Crucis" auf dem Porphyrberg über der Stadt Landsberg. Sie ist das einzige erhaltene Gebäude einer Markgrafenburg des 12. Jahrhunderts. Im Inneren des äußerlich eher schlicht wirkenden Bauwerks überraschen die harmonische Raumkomposition und die hervorragende Kapitellplastik. Seit mehr als 250 Jahren ziert die Kapelle darüber hinaus ein kunstvoller Holzschnitzaltar.

Dieser Altar im Obergeschoss der Landsberger Doppelkapelle stammt aus der Werkstatt des Meisters Stephan Hermsdorf, der sich selbst als Bildschnitzer und Maler bezeichnete. Hermsdorf, auch als "Podelwitzer Meister" bekannt, schuf im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts zahlreiche Altäre und Einzelfiguren für Kirchen in und um Leipzig. Den Landsberger Altar fertigte Stephan Hermsdorf um 1525 für die Dorfkirche in Zwochau (Landkreis Nordsachsen). Erst 1732 erwarb der Waffenschmied und Kapellenvorsteher Christoph Gaul die zentralen Teile des Altares zum Preis von 3 Talern für die Landsberger Doppelkapelle.

Ursprünglich doppelflügelig mit Aufsatzfiguren und Predella, stellt sich der Schnitzaltar, der stilistisch in die Zeit der Spätgotik eingeordnet wird, heute als einfacher Schrein mit zwei Flügelpaaren dar. Nach Einschätzung der Kunsthistorikerin Ingrid Schulze war für Stephan Hermsdorf "eine fast schon renaissancehaft anmutende Neigung zu praller Körperlichkeit" charakteristisch, die sich beim Landsberger Altar insbesondere in der vollplastisch wiedergegebenen Dreiergruppe im Schrein zeigt. Der Altar ist dem Heiligen Martin von Tours geweiht und zeigt diesen ehemaligen römischen Legionär, umgeben von St. Mauritius und St. Antonius, im Zentrum des Schreins.

Auf den inneren Seitenflügeln finden sich, vom Betrachter aus gesehen, links vom Schrein Reliefs der Heiligen Margaretha und Katharina sowie rechts vom Schrein Reliefs des Heiligen Johannes des Täufers und des Apostels Philippus. Auf den Rückseiten der inneren Flügel sind links St. Wolfgang und St. Nikolaus dargestellt. Der rechte Flügel zeigt die Heiligen Ursula und Agnes. Die Malereien der Flügelaußenseiten zeigen eine starke Anlehnung an die Gestaltungsweise von Lucas Chranach, so daß sie ihm mitunter schon zugeschrieben worden sind. Sicher lässt sich der Einfluss der Wittenberger Cranachwerkstatt, wie damals auch sonst in Sachsen, nicht leugnen. Die Tafeln weisen eine geradezu bühnenmäßige Raumkomposition auf, in die die Heiligen eingefügt wurden. Renaissancetonnengewölbe, deren Oculi einen Ausblick auf den Himmel ermöglichen, bilden die rahmende Architektur der Tafelgemälde.

Dem äußeren Flügelpaar widerfuhr ein geteiltes Schicksal. Während ein Flügel sein Ende wohl als Trennwand einer Schweinebucht fand, war der andere Flügel bis vor einigen Jahren im 3. Geschoß der Doppelkapelle aufgestellt. Er weist die gleiche malerische Gestaltung auf, wie die beiden schon beschriebenen Seitenflügel. Die Innenseite des Flügels zeigt Bildnisse des Heiligen Calixtus und des Heiligen Sebastian, auch hier eingerahmt durch ein Renaissancetonnengewölbe. Die Außenseite zeigt die Heiligen Barbara und Dorothea vor einer malerischen Gebirgslandschaft. Der erhaltengebliebene Außenflügel wurde inzwischen, gemeinsam mit einem neu geschaffenen "Blindflügel", wieder am Altarschrein angebracht.

Was aus den Aufsatzfiguren des Holzschnitzaltars geworden ist und um welche Figuren es sich dabei einst handelte, läßt sich heute nicht mehr mit Bestimmtheit feststellen. Ebenso unbeantwortet bleibt die Frage nach dem Verbleib und der Gestaltung der Predella sowie des verlorengegangenen Außenflügels.

Die auf dem Altar dargestellten Heiligen sind an Attributen zu erkennen, die ihnen im Laufe der Jahre zugeordnet worden sind und die sich auf Episoden aus ihrem Leben oder auf Schutzpatronate dieser Heiligen beziehen. Die sieben Schnitzfiguren tragen darüber hinaus im Heiligenschein hinter ihren Köpfen den jeweiligen Namenszug. Margareta von Antiochien ist gekennzeichnet durch Krone, Kreuz und Buch. Zu ihren Füßen ist der Kopf eines Drachen zu sehen. Katharina von Alexandrien trägt in ihren Händen das Schwert, durch welches sie enthauptet wurde. Mauritius, seit dem späten Mittelalter in der Regel mit dunkler Hautfarbe dargestellt, erscheint hier als Farbiger in Ritterrüstung mit Fahne und Schwert. Martin von Tours ist dargestellt als Edelmann, der mit dem Schwert ein Stück seines Mantels abtrennt, um es einem Bettler zu seinen Füßen zu schenken. Antonius der Eremit hält in der linken Hand ein Buch, in der rechten ein Glöckchen zur Abwehr von Dämonen. Neben ihm ist ein Schwein dargestellt, welches daran erinnert, daß die Antoniter als Armenpfleger ihre Schweine frei weiden lassen durften. Johannes der Täufer trägt ein Lamm. Er taufte Jesus im Jordan, erkannte ihn als Messias und bezeichnete ihn als "Lamm Gottes". Phillipus ist mit dem Kreuz dargestellt, da er am Kreuz gesteinigt den Tod gefunden haben soll. Die Bischöfe Nikolaus und Wolfgang, sind im Ornat dargestellt. Ursula trägt den Pfeil, der sie tötete und Agnes hält ein Lamm auf dem Arm. Hinter dem Bildnis der Heiligen Barbara ist der Turm zu sehen, in welchem sie von ihrem Vater gefangen gehalten wurde. Sie selbst ist gekennzeichnet durch Hostie und Kelch. Dorothea trägt eine Blumenschale. Der Heilige Calixtus, einer der ersten Päpste, ist in Pontifikalkleidung dargestellt. Sebastian hält die Pfeile, mit denen man ihn, an einen Baum gebunden marterte, als Bündel in der Hand.

Die Figuren des Landsberger Altares sind überwiegend in zeitgenössischer Kleidung, also in Gewändern aus der Zeit um 1525, dargestellt.

Quellen:

  • Heimatkalender für die Muldenkreise Bitterfeld und Delitzsch. - Düben: Verlag Paul Streubel, 1934.
  • Sachs; Badstübner; Neumann: Christliche Ikonographie in Stichworten. - Leipzig: Koehler & Amelang, 1988.
  • Sehmsdorf, Gottfried: Die Doppelkapelle auf der Burg Landsberg/ hrsg. v. Rat d. Stadt Landsberg, 1989.
  • Schulze, Ingrid: Von der Gotik bis zum Historismus/ Beiträge zur Kunstentwicklung im Bereich von Saale und mittlerer Elbe. - Bucha bei
    Jena: quartus-Verlag, 2009.

Detailaufnahmen des Holz-Schnitzaltars

Fotos: Gunter George (Museum Landsberg)
Porträt des Heiligen Antonius des EremitenPorträt des Heiligen Martin von ToursPorträt des Heiligen MauritiusDetailaufnahme des Bettlers, mit dem der Heilige Martin von Tours seinen Mantel teiltDreiergruppe der Heiligen Mauritius, Martin und Antonius im Schrein des SchnitzaltarsPorträts des Heiligen Johannes des Täufers mit dem Lamm sowie des Apostels Philippus mit dem KreuzPorträts der Heiligen Ursula mit dem Pfeil sowie der Heiligen Agnes mit dem LammPorträts der Heiligen Barbara mit Turm, Kelch und Hostie sowie der Heiligen Dorothea mit BlumenkorbPorträts der Heiligen Margareta von Antiochien mit Krone, Buch und Kreuz sowie der Heiligen Katharina von Alexandrien mit dem Schwert