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Heft 1

A |E | I | O | U … Hör gut zu!

Dieses Arbeitsheft beginnt mit einem Vorkurs zur “phonologischen Bewusstheit” und übt das Silbenglieder, das Anlauterfassen und das Reimwortfinden.

Das Kreuz auf dem Kapellenberg

Das Kreuz auf dem Kapellenberg

Inge Fricke

Schon von Weitem ist es zu sehen: Das Kreuz auf dem Gipfel des Landsberger Kapellenberges. Hinauf gelangt man über einen Fußweg von der Stadtseite her oder man erklimmt die Stufen der in den Felsen gehauenen Treppe, unweit des Felsenbades. Das vermeintliche Gipfelkreuz trägt die Aufschrift "1914-1918". Ältere Generationen wissen nun sofort, dass es sich bei diesem Kreuz um ein Ehrenmal handelt, welches den Gefallenen des I. Weltkrieges geweiht ist. Jüngere Generationen können oft erschreckend wenig mit diesen Zahlen anfangen.

Folgt man dem Bericht des Magistrats der Stadt Landsberg, so herrschte bei der Nachricht vom Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunächst große Begeisterung. "Während die Reservisten, Wehrmänner, Kriegsfreiwillige usw. mit großem Mut und fröhlicher Stimmung zu den Fahnen eilten..., blieben auch die Zurückgebliebenen nicht untätig..." Es bildeten sich Ausschüsse, die verschiedene Sammlungen durchführten. Neben Kleidungsstücken, konnten in der Stadt etwa 5000 Reichsmark an Spenden zusammengebracht werden. Die Anfangsbegeisterung der Landsberger sollte sich jedoch schnell legen. Rasante Preissteigerungen, die Einführung von Bezugskarten für Brot, Kartoffeln, Butter, Fleisch, Milch und Zucker sowie die Rationierung von Reis, Graupen, Grieß, Teigwaren und Hülsenfrüchten verschlechterten die Lebenslage der Bevölkerung zusehends. Auch in Landsberg waren zahlreiche Kriegstote zu beklagen, was die Kriegsmüdigkeit weiter förderte.

Am 9. November 1918 brach schließlich in Berlin die Revolution aus. Erst am 17. November 1918 kam es in Landsberg, im Gasthaus "Zum goldenen Löwen", zur Bildung eines Arbeiter-und Soldatenrates. Schon wenige Zeit später, beschränkte sich die Tätigkeit dieses Arbeiter-und Soldatenrates, ähnlich wie in anderen Orten des Reiches, auf nebensächliche Dinge, wie das Registrieren von Kriegsheimkehrern oder das Ausstellen von Erlaubnisscheinen zur Benutzung der Eisenbahn. Ende Januar 1919 löste sich der Arbeiter-und Soldatenrat in Landsberg wieder auf.

Nach Ende des Krieges trafen sich verschiedene Bürger Landsbergs mit dem Ziel, ein Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen zu schaffen. Bis Einigkeit erzielt war, vergingen einige Jahre. Am Sonntag, dem 30. Mai 1926, war es dann soweit. Die "Landsberger Nachrichten" berichteten sehr detailliert darüber: Um 9.30 Uhr versammelte sich die Gemeinde in der Stadtkirche "St. Nicolai". Mit einem Weihegottesdienst wurde eine Gedächtnistafel mit den Namen von 68 Gefallenen eingeweiht. Am Nachmittag folgte die feierliche Einweihung des Ehrenmals auf dem Kapellenberg. Um 14 Uhr versammelten sich alle Beteiligten auf dem Landsberger Marktplatz. Unter Glockengeläut marschierten die Feuerwehr, die Schule, die Hinterbliebenen der Gefallenen, der Luisenbund, der Kirchenchor, der Denkmalsausschuss und die Stadtvertretung, die Gesangsvereine, der Kriegerverein, der Stahlhelm, der Wehrwolf, die Turnvereine, der Sportverein und weitere Vereine der Stadt in Richtung Kapellenberg.

Am Erinnerungskreuz gab es dann ein umfangreiches Programm. Am Beginn der Feierlichkeiten stand der gemeinsame Gesang des Liedes "Wir treten zum Beten". Nach einem Prolog von F. Walther, hielt Pfarrer Petersell die Weiherede, der sich ein Chorgesang des "Männerchores Landsberg" anschloss. Gesungen wurde das Lied "Dem Andenken der Gefallenen" von G. Wohlgemuth. Herr W. Lehmann enthüllte nun das Denkmal und Bürgermeister Kunze übernahm es in städtische Obhut. Der "Männergesangsverein Landsberg" stimmte das Lied "Von Freiheit und Vaterland" von K. Goepfart an und leitete damit zur feierlichen Kranzniederlegung über. Den Abschluss der Veranstaltung bildete der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes.

Der Bildhauer Paul Horn aus Halle hatte sowohl das 7,5 Meter hohe Kreuz aus Metall als auch die Erinnerungstafel aus Holz entworfen und künstlerisch ausgeführt. Gerade einmal 7 Jahre stand das Denkmal auf der Spitze des Kapellenberges bevor es am 19. Januar 1939 in einer Nacht- und Nebelaktion von dort entfernt und auf den städtischen Friedhof verbracht wurde. Nach der umfassenden Restaurierung im Jahre 2000 durch die Metallkunstwerkstatt Knappe in Halle, steht es wieder am alten Platz und sollte uns allen Mahnung sein. Die Gedächtnistafel mit den Namen der 68 Gefallenen hängt noch heute im Vorraum der Landsberger Stadtkirche. Weitere Tafeln mit den Namen der Gefallenen des II. Weltkrieges kamen, auf Initiative des ehemaligen Museumsleiters OPHR Heinz-Walther Borgass, hinzu. Letzterer hatte auch die Wiederaufstellung des Kreuzes am alten Ort, auf der Spitze des Kapellenberges, angeregt. An dieser Stelle stand einst der Bergfried der mittelalterlichen Burg, von der nur die Doppelkapelle und wenige Mauerreste erhalten blieben.

Einhundert Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkrieges, fand am 03. August 2014, um 15 Uhr, am Erinnerungskreuz und später in der Stadtkirche "St. Nicolai" eine Gedenkveranstaltung statt, welche an die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" erinnerte. An ihr nahmen Vertreter der Stadt Landsberg, des Landkreises Saalekreis, der Stadt Merseburg, des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge und weiterer Interessengemeinschaften teil.

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Fotos: Gedenkkreuz für die Gefallenen des I. Weltkrieges (Gunter George)