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Frank Meyer

Raum 101
Erzählungen über Männer

Von dem Konflikt mit dem Vater beim Froschschenkeljagen, den abenteuerlichen Gefühlen einer Kinderliebe, den bleibenden Momenten mit dem besten Freund, die erschütternden Erlebnisse beim Bund...teils einfühlsam, teils derb erzählen die Geschichten dieser Sammlung, wie Jungen und Männer sich in verschiedenen Lebensabschnitten bewähren... oder wie sie versagen. 

Heinz-Walther Borgass

Heinz-Walther Borgass

Henning Mertens

Heinz-Walther Borgass war 43 Jahre lang ehrenamtlicher Museumsleiter und engagiert sich mit 90 Jahren auch noch heute für die Aufarbeitung der Landsberger Stadtgeschichte. (Foto: Henning Mertens)
Heinz-Walther Borgass war 43 Jahre lang ehrenamtlicher Museumsleiter und engagiert sich mit 90 Jahren auch noch heute für die Aufarbeitung der Landsberger Stadtgeschichte. (Foto: Henning Mertens)

Wie wird man Ehrenbürger einer Kleinstadt? Eigentlich ist es ganz einfach: Man muss sich nur 43 Jahre lang ehrenamtlich für den Aufbau eines Heimatmuseums engagieren, ein paar unbedeutende Gebäude wie die Landsberger Doppelkapelle vor dem Verfall bewahren und mit kulturellem Leben füllen. Vielleicht lässt man auch eine Postsäule nach historischem Vorbild auf dem Marktplatz errichten. Und wenn das alles noch nicht genügt, gibt man 20 Jahre lang die mühsam selbst aufbereitete Stadtchronik im örtlichen Amtsblatt heraus.

Dabei hatte Heinz-Walther Borgass (*1919) als Kreisapotheker von 1966 bis 1986 wahrlich genug damit zu tun, die ihm unterstellten sieben Apotheken im Saalkreis auf die Anforderungen der neuen Zeit umzurüsten. Mehr noch: Er erweiterte sie in seiner Amtszeit auf ganze zwölf Einrichtungen. Alles begann mit der Apotheke seines Vaters in Landsberg. Dieser erstand 1919 die Sonnen-Apotheke und zog gleich darauf mit der Familie und seinem gerade 14 Tage alten Sohn von der Stadt Halle aufs Land. 1953 stieg dieser Sohn nach dem Pharmaziestudium in das väterliche Geschäft ein und übernahm im Zuge der Verstaatlichung 1959 selbst die Leitung. Die unbändige Leidenschaft für die Landsberger Kultur und Heimatgeschichte entdeckte er schon einige Jahre früher.

Wenn der Apotheker und ehemalige Oberpharmazierat zu erzählen beginnt, fühlt man sich für einen Moment in die Vergangenheit zurückversetzt - sieht den Filmvorführer Willy Abraham, der 1920 die ersten Bilder im Saal des alten Gasthofs „Zum Pelikan" zum Laufen brachte, steht im Garten des Fabrikdirektors Erich Schmidt oder sitzt für einen Augenblick auf den geschäftigen Terrassen des alten Ratskellergartens über der Leipziger Straße. Jeder Name, jeder Ort steht für eine eigene Geschichte.

Mit neun Mitstreitern gründete Borgass 1954 eine Arbeitsgemeinschaft für Heimatgeschichte und Denkmalpflege, zu der neben Arzt und Geschichtsschreiber Dr. Rolf Kutscher gehörte auch die Uhrmacherin Tutta Podschun gehörte. Die Zehn übernahmen das Erbe des Lehrers und Heimatforschers Bernhard Brühl und integrierten es in ein neues Heimatmuseum, das bis heute seinen Namen trägt und seit 1992 in der ehemaligen Mühlbergschule (Hillerstr. 8) untergebracht ist. Heinz-Walther Borgass übernahm die ehrenamtliche Leitung des Museums. Er sollte sie 43 Jahre lang nicht mehr abgeben. Dabei legten die alten Einrichtungen der von ihm modernisierten Apotheken den Grundstein für einen besonderen Schatz in der Dauerausstellung des Landsberger Museums: Die originale Ladeneinrichtung einer Landapotheke ist seit 1985 eine der Hauptattraktionen.

Als 1961 die Doppelkapelle in die Obhut des Museums gegeben wurde, sahen sich die Museumsgründer einer Großaufgabe gegenüber. Nur durch enge Beziehungen, das Glück der Tüchtigen und intensive Lobbyarbeit schaffte man es, das Bauwerk durch die Jahre zu erhalten und darin einen kulturellen Mittelpunkt der Stadt einzurichten. Einer Urlaubsbekanntschaft war beispielsweise die Erneuerung des Kapellendachs zu verdanken. Mitarbeiter des Landsberger Maschinen- und Apparatebaus rückten einmal jährlich zur Pflege des gesamten Kapellenberges an. Bis heute finden in ihren klangfreudigen Hallen außergewöhnliche Konzerte statt.

Seit der Erstausgabe 1990 veröffentlicht Borgass mit wechselnden Helfern im „Landsberger Echo" die Stadtchronik als nahtlose Fortsetzungsreihe. Auch diese hatte er gemeinsam mit Museumsmitarbeiter Gunther George gerettet.  Als im Zuge der Deutschen Einheit das Rathaus-Archiv aufgelöst werden sollte, sicherten und kartierten sie die zahlreichen Akten.

Ein weiterer Höhepunkt war die Wiedererrichtung der Landsberger Postsäule auf dem Marktplatz. Auch der Autor dieses Beitrags war als Kind zugegen, als 1989 noch einmal die Postkutsche über das Kopfsteinpflaster polterte. Stolz hielt er damals einen original gestempelten Brief in seinen kleinen Händen.

Doch was hat ein Mann noch vor, der soviel erlebt, gekämpft und erreicht hat? Zuerst einmal feierte er am 15. August 2009 im Kreis der Familie seinen 90. Geburtstag. Auch für die Gefallenen der beiden Weltkriege engagiert er sich und stellte 2009 für deren Gedenken Tafeln zusammen. Diese hängen in den Ortskirchen z. B. von Gütz und Landsberg aus. Sodann arbeitet er an einem Buch, das die bisher veröffentlichten Chronikabschnitte zusammenfasst. Er bereitet die eigene Familiengeschichte auf. Und er erarbeitet weiter interessante Geschichte(n) für die monatlichen Ausgaben des Landsberger Echos. Auch mit 90 ist Heinz-Walther Borgass noch lange nicht müde.

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