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Jürgen Klose
Kennst du Friedrich Schiller?

Ein kreativer Querkopf mit allerlei Flausen scheint Schiller wohl gewesen zu sein, wenn man ihn mal ganz ohne Pathos betrachtet.

Bernhard Brühl

Bernhard Brühl

M + A Messerschmidt

Bernhard Brühl: Lehrer - Kantor - Heimatforscher

Der Lehrer Bernhard Brühl schrieb Landsberger Heimatgeschichte. (Bild: Archiv Museum Landsberg)
Der Lehrer Bernhard Brühl schrieb Landsberger Heimatgeschichte. (Bild: Archiv Museum Landsberg)

Ernst Bernhard Brühl wird am 1.2.1877 in Heidewilzen (bei Breslau/Wroclaw) als jüngstes von 3 Kindern geboren. Seine Eltern betreiben eine Bauernwirtschaft. Von früher Kindheit an ist Bernhard sehr naturverbunden. Nach der Schulzeit besucht er eine Präparandenanstalt und das Lehrerseminar in Oels bei Breslau. Seine erste Anstellung als Volksschullehrer findet er 1898 in Bornitz bei Zeitz.

Am 1.4.1902 wird er vom Patron in Klein Wölkau als zweiter Lehrer in Gütz eingestellt und 2 ½ Jahre später zum ersten Lehrer und Kantor befördert. Im Juni 1902 heiratet er Helene Schumann aus Bornitz, sie wird ihm zeitlebens eine verständnisvolle, seine Arbeit unterstützende Partnerin sein. Die Familie wohnt bis 1944 in der Dienstwohnung im Schulhaus. 1910 und 1912 werden die Kinder Irma und Gerhard geboren.

Bereits mit seinem Dienstantritt beginnt B.Brühl mit der Sammlung naturkundlicher und kultur-historischer Exponate, vorerst nur für den Unterricht. Bald ist der Klassenschrank überfüllt. Doch der vielseitig interessierte und talentierte Lehrer sammelt weiter, studiert die Kultur- und Heimatgeschichte, pflegt Kontakte mit Experten, Institutionen und Behörden, ist Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde der Kreise Bitterfeld und Delitzsch... 

In vielen Publikationen, ergänzt mit eigenen Zeichnungen, bringt B.Brühl die Ergebnisse seiner Heimatforschung einer großen Leserschicht nahe. Er führt auch die Chronik der Schule und des Ortes Gütz. Damit erhält er der Nachwelt viele historische Ereignisse.

1912 entwickelt er mit seinem Kollegen Wolfsteller, dieser fällt im Dezember 1914 als Kriegs-freiwilliger, die Idee eines Jugendheimes für eine sinnvolle Freizeitgestaltung der Kinder und Ju-gendlichen des Amtsbezirkes Gütz. Hartnäckig wirbt er dafür und sammelt Geld. Der Kreis Delitzsch und der Regierungsbezirk Merseburg stellen 2800 M und der Petersdorfer Gutsbesitzer und Amtsvorsteher Oswald Troitzsch mit Ehefrau Ottilie 5200 M in Form einer Stiftung zur Verfügung. 1914 beginnen die Bauarbeiten in Petersdorf, am 3.9. 1916 erfolgt die feierliche Einweihung. Neben Versammlungs- und Arbeitsräumen ist auch ein Wannenbad geplant, das lehnt der Gemeinderat (für ein Dorf nicht zeitgemäß!) jedoch strikt ab, deshalb wird der Raum als Museum genutzt. Die Leitung der Einrichtung übt Brühl bis 1954 mit großem Engagement aus.

Die Anzahl der Exponate steigt infolge weiterer Sammlungen, Ausgrabungen und Spenden aus der Bevölkerung stetig an, mit einem Anbau wird die Ausstellungsfläche erweitert, wodurch auch eine Gesundheitsausstellung realisiert werden kann.

Als Soldat lernt der 40-Jährige die letzten 17 Monate des schmutzigen Krieges kennen. Nur eine Woche nach Rückkehr nimmt er den Schuldienst, infolge Lehrermangels allein für 170 Kinder, wieder auf. Liebevoll, doch mit notwendiger Autorität, bemüht er sich, ihnen im Unterricht und außerunterrichtlich ein solides Wissen und Können zu vermitteln und Verhaltensweisen anzuerziehen. Er schreibt Theaterstücke und inszeniert sie, organisiert Veranstaltungen, pflegt Traditionen - z.B. Sommersonnenwendfeiern auf dem Gützer Berg - und leitet zeitweise auch den Männerchor des Amtsbezirkes. In seiner Freizeit züchtet er Bienen, wandert gern, erteilt Klavierunterricht. Noch heute erinnern sich ehemalige Schülerinnen und Schüler gern an ihren Lehrer.

Das NS-Regime hat nach der Machtergreifung keinen Verwendungszweck für das Jugendheim, so wird das ganze Haus Heimatmuseum. 1938 kommt ein Teil des aufgelösten Landsberger Museums, 1933 von Postmeister Paul Sannemann gegründet, hinzu. Am bedeutendsten sind aber die Ausgrabungen, die B.Brühl initiiert und z.T. mit Schülern selbst durchführt, u.a. in Petersdorf 1922/23, in Landsberg an der Zuckerfabrik 1924, bei Carlsfeld 1934, auf dem Spitzberg 1939. 1922 organisiert er die Hebung des in Piltitz 20 Jahre zuvor beim Straßenbau verschütteten, ca. 2,5 t schweren „Teufelssteins"(zur Sage), stellt ihn auf und errichtet eine Gedenktafel, weitere im Jugendheim, den  Franzosenstein in Düringsdorf, den Lutherstein bei Petersdorf und den Göttlitzstein bei Schwerz. Auf dem Gützer Berg legt er 1938/39 den Schwedenring an. Auf seine Initiative wird 1905 anlässlich F. Schillers 100. Todestag in Gütz der Schillerstein aufgestellt und eine Schillerlinde gepflanzt. In alle Arbeiten bezieht der Lehrer seine Schüler aktiv mit ein.

Bernhard Brühl ist ein bescheidener und korrekter Mann. 1926 erreicht er die Änderung der Schreib-weise „Gütz" statt „Güetz", da es in der alten Schreibschrift zu häufigen Verwechslungen mit Quetz kommt. Auch die Namensänderung des nahen Berges, zu dieser Zeit Reinsdorfer Brüche genannt, bewirkt er. Im September 1926 antwortet das Reichsamt für Landesaufnahmen Berlin: „Die auf Grund Ihres Schreibens eingeleiteten Ermittlungen haben die Bezeichnung Gützer Berg als amtlich gebräuchliche Schreibweise bestätigt."

Brühl wird geachtet und geehrt, u.a. für 25-jährige Arbeit in Gütz, für 40-jährige Erziehertätigkeit mit dem Treuedienstabzeichen in Gold und 1941 als Ehrenbürger der Gemeinde und Ehrenmitglied der FFw.

Am Ende des II. Weltkrieges droht dem Museum das Aus durch randalierende US-Soldaten und die spätere Auslagerung zugunsten Wohnraumes. Auf Befehl der SMAD wird das Museum am 15.2.1948, B.Brühl richtet es trotz Bedenken abermals mit seinen Schülern ein, wieder eröffnet.

Nach seiner Pensionierung zieht B.Brühl als Emeritus nach Spickendorf. Im Nov.1953 erkrankt er schwer und verstirbt am 24. Juni 1955 im Kreiskrankenhaus Wettin. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Spickendorf.

1954, 40 Jahre nach der Grundsteinlegung, wird das Gützer Museum nach Landsberg - in die Bahnhofstr. und 1992 auf den Mühlberg - umgelagert. In Würdigung seiner Verdienste als Lehrer, Kantor, Heimatforscher, Museumsgründer und -leiter trägt die Kultureinrichtung auf Vorschlag des damaligen ehrenamtlichen Landsberger Leiters, Walther Borgass, seit 1959 den Namen 

Museum „Bernhard Brühl".