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Paulus Luther

Sein Leben von ihm selbst aufgeschrieben. Ein wahrhaftiger Roman

Christoph Werner

Ein lesenswerter und informativer historischer Roman, der das Leben Paul Luthers - jüngster Sohn Martin Luthers und seines Zeichens fürstlicher Leibarzt und Alchimist - erzählt.

Margit und Arthur Messerschmidt

Margit und Arthur Messerschmidt

Henning Mertens

Margit & Arthur Messerschmidt

Gemeinsam im Auftrag der Geschichte

 

Fotos: Henning Mertens

Margit und Arthur Messerschmidt, engagiertes Heimatforscher-Ehepaar aus Spickendorf
Margit und Arthur Messerschmidt, engagiertes Heimatforscher-Ehepaar aus Spickendorf

Heimatforscher folgen einer einsamen Berufung. Sie durchforsten staubige Archive, lesen unzählige Quellen und dokumentieren ihre Erkenntnisse in langwieriger Kleinstarbeit am Schreibtisch. Gelegenheit zum Austausch gibt es selten. Es sei denn, man trifft jeden Tag zum Frühstück jemand Gleichgesinntes. Das Ehepaar Margit und Arthur Messerschmidt teilt seit einigen Jahrzehnten eine Leidenschaft. Sie sind das Gedächtnis der Dörfer um Landsberg. Gemeinsam erforschen sie deren Geschichte.

Dabei wurde Arthur Messerschmidt anfangs von seiner Frau belächelt, als er 1970 in einem kleinen Karton die gesammelte Geschichte seines Wohnortes Spickendorf überreicht bekam und damit den Posten des Ortschronisten übernahm. Doch schnell zog das mühsame Aneinandersetzen historischer Ereignisse auch sie in seinen Bann. Seitdem steht das Kürzel „M & A Messerschmidt" als Synonym für die Forschungsarbeiten der Eheleute.

Arthur Messerschmidt wurde am 5. Mai 1941 in Märzen, dem heutigen Marzenin bei Posen geboren. Bereits im Januar 1945 siedelte die Familie in den Wirren des Weltkrieges jedoch nach Spickendorf um. Viel lieber als die Schulbank war dem späteren Lehrer der Platz zwischen den Pfosten. Sportbegeistert ging es für ihn nach Schulschluss oft direkt auf den Sportplatz. Meist als Torwart spielte er für Mannschaften aus Landsberg und Spickendorf. Nach der Schulausbildung wurde Arthur Messerschmidt erst einmal Stahlbauschlosser bei der Halleschen Stahl- und Apparatebau AG (HASTAG), bevor er 1959 am halleschen Institut für Lehrerbildung ein Studium als Grundschullehrer aufnahm. Bereits 1961 ging es in die Praxis. Arthur Messerschmidt kam als Lehramtsanwärter zur Oberschule Hohenthurm. Der eigenen Ausbildung noch nicht müde, belegte er Fernstudien an den PH Leipzig, Potsdam und der Berliner Humboldt-Universität in Polytechnik, Geografie und Sonderpädagogik. Es war eine arbeitsreiche und reiseintensive Zeit. Einige Jahre später übernahm er die Leitung der Sonderschule in Eismannsdorf. Den Grundstein für die Berufung als Heimatforscher legte 1965 sein Engagement als Gemeinderat in Spickendorf.

Gemeinsam erforschen M & A Messerschmidt die Geschichte der Dörfer um Landsberg
Gemeinsam erforschen M & A Messerschmidt die Geschichte der Dörfer um Landsberg

Margit Messerschmidt, geboren am 22. Januar 1942 in Gütz, ist unweit des sagenumwobenen Teufelssteins aufgewachsen. Das und die Geschichte des Ortes, die die Geschichte mehrerer kleiner Dörfer ist, sollte später dazu beitragen, dass sie das Interesse ihres Mannes zu teilen begann. Die Schule erlebte Margit, geb. Schumann, noch mit Schiefertafel und Abteilungsunterricht, in dem in einem Klassenzimmer 4 Jahrgänge von einem Lehrer unterrichtet wurden. Später besuchte sie die einige Kilometer entfernte Schule auf dem Landsberger Mühlberg, die als eine der ersten Mittelschulen in der Region eine Ausbildung bis zur zehnten Klasse anbot. Der Fußweg in den Nachbarort war damals noch von Feldern gesäumt, wo heute kaum noch ein Meter unbebaut ist. Die heutige Bundesstraße 100, damals Berliner Straße, war eine Obstbaum-Allee, auf der die Gützer Kinder nur allzu gern einen Leckerbissen pflückten. Auch Margit Messerschmidt wählte 1958 das Lehrerstudium in Halle. 1960 führte sie der berufliche Start als Grundschullehrerin in den Kreis Jüterbog und zwei Jahre später in die Oberschule von Hohenthurm. 1982/84 absolvierte sie an der halleschen Martin Luther-Universität ein Zusatzstudium für Sonderpädagogik und folgte ihrem Mann nach Eismannsdorf.

Bei all den beruflichen Parallelen mag man nun denken, das Paar habe sich in der Schule kennengelernt. Doch es war ein Tanzabend in Düringsdorf. Wer sich nun fragt, wo Düringsdorf liegt, dem sei verraten: Es liegt ungefähr dort, wo Piltitz, Roitzschgen, Heiligendorf, Zschiesdorf - ach ja - und natürlich Gütz zu finden sind. Vielleicht hat die Geschichte dieser Kleinstdörfer, die meist nur wenige Häuser groß waren, auch den Gützer Lehrer und Heimatforscher Bernhard Brühl bewegt. Seine eigene Geschichte haben die beiden Messerschmidts aufgearbeitet und führen sein Werk gewissermaßen selbst weiter. Dabei ergänzen sie sich wunderbar: Margit Messerschmidt nutzt ihre persönlichen Verbindungen durch Verwandtschaft im Ort. Arthur Messerschmidt formuliert die Publikationen, dann wird diskutiert. Gemeinsam besuchen sie die Archive und Bibliotheken in Halle, Landsberg, Merseburg und wo immer ein Stück Geschichte der Dörfer um Landsberg zu finden ist. Dann zieht sich jeder von ihnen in seinen eigenen Arbeitsbereich zurück, der jeweils von zahlreichen Sammelordnern gesäumt ist. Zum Mittag wird der Arbeitsstand ausgetauscht. Auch bei ihren Vorträgen ergänzen sich die beiden: Er referiert zur Geschichte, die sie mit Geschichten und Anekdoten untermalt. Anlässlich der 666-Jahrfeier der Gemeinde Spickendorf im Jahr 1980 entstand mit der Spickendorfer Geschichte die erste eigene Publikation von M & A Messerschmidt. Es war das Schlüsselerlebnis für Margit Messerschmidt, die dadurch ihren eigenen Forscherdrang entdeckte.

Dabei ist die Arbeit oft mühsam. Viele Aufzeichnungen gingen im 30-jährigen Krieg verloren. Chroniken führten meist die Pfarrer oder Dorflehrer - oft in schlimmer Handschrift. Auch Kirchenbücher bieten wertvolle Informationen. Gleich einem Puzzle ergibt ein Teil das nächste und wirft neue Fragen auf, liefert aber oft auch neue Ansatzpunkte.

Margit und Arthur Messerschmidt im Februar 2010 bei ihrem Vortrag zur Geschichte der Feuerwehr Gütz
Margit und Arthur Messerschmidt im Februar 2010 bei ihrem Vortrag zur Geschichte der Feuerwehr Gütz

Als die Gützer Schulchronik des Lehrers Bernhard Brühl in ihre Hände fiel, war das der Startpunkt für eine gesammelte Chronik der „Schulen der Strengbachdörfer". Der Strengbach, ein kleiner natürlicher Bachlauf, schlängelt sich in nördlicher Richtung von Sietzsch bis Dammendorf durch Landsberg und ist ab Gütz als Radwanderweg befahrbar. Anders als in heutiger Zeit hatte einmal fast jeder Ort im Landsberger Stadtgebiet seine eigene kleine Dorfschule. Deren wechselhafte Geschichte arbeiteten die Messerschmidts zu einer Ausstellung auf, die vor einigen Jahren in der Landsberger Sparkasse zu sehen war. Der 125. Geburtstag Bernhard Brühls war 2002 Anlass für eine Sonderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Landsberger Museum, das den Namen des ehemaligen Lehrers und Heimatforschers trägt. 2005 entstand pünktlich zur 800-Jahr-Feier die Chronik der Ortschaft Schwerz. Ebenso haben M & A Messerschmidt die Geschichte der Klepziger Kirche sowie der Schulen und Orte Reußen und Hohenthurm aufgearbeitet. 2009 erschien die Chronik von Zwebendorf. Die neueste Arbeit des Forscherpaares sind Chroniken der Gemeinde und der Freiwilligen Feuerwehr Gütz, deren Gründung sich im Jahr 2010 zum 90. Mal jährte. Seit 1999 kann man ihre Forschungsergebnisse monatlich als Fortsetzungsreihe im Amtsblatt „Landsberger Echo" nachlesen.

Was die beiden umtreibt, ist nach wie vor die Faszination an einer lokalen Geschichte, die bis weit in die Vorzeit reicht. Wer sich mit dem Paar unterhält, erfährt aber nicht nur historische Eckdaten und Meilensteine. Es sind auch die vielen Einzelschicksale und Begebenheiten, die Rückblicke auf ganz bestimmte Orte, die man heute so nicht mehr kennt. Da ist die enge Holzbrücke, die die alte Handelsstraße und heutige B 100 über den Strengbach führte. Da sind die Obstbäume, das alte Petersdorfer Gutshaus und die Bäuerin, die bei der Feldarbeit Knochen fand und eiligst nach Lehrer Brühl schickte. Da ist der legendäre Chor der Landsberger Spatzen, in dem Margit unter Lehrer Erich Ballmann noch selbst mitsang. Und da ist die Einführung der Zentralschulen in den 50ern, die das Ende der typischen Dorflehrer und deren Nebenberufung als Heimatforscher besiegelte. Glücklicherweise gibt es immer wieder Menschen, die selbstlos und mit Sachverstand deren Erbe antreten. Menschen wie die Messerschmidts.

Veröffentlichungen:

  • Chronik Spickendorf (2005), M & A Messerschmidt
  • 800 Jahre Schwerz (2005), M & A Messerschmidt
  • Chronik von Zwebendorf mit Droyßig (2009), M & A Messerschmidt
  • Chronik Freiwillige Feuerwehr Gütz (2010), M & A Messerschmidt