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Reden wir von der Liebe

Florian Russi (Hrsg.)

Liebe ist ein Thema, das jeden berührt...Ein manchmal ernüchterndes und zugleich poetisches Buch.

Dietrich von Landsberg

Dietrich von Landsberg

Sabine Ebert

Dietrich von Landsberg

Psychogramm für einen Roman

Mittelalterliches Schwert, Ausstellungsstück in der Landsberger Doppelkapelle (Foto: Henning Mertens)
Mittelalterliches Schwert, Ausstellungsstück in der Landsberger Doppelkapelle (Foto: Henning Mertens)

Historische Quellen verraten uns wenig über Dietrich von Landsberg, den Markgrafen der Ostmark, der heutigen Niederlausitz. Nicht einmal sein Geburtsjahr ist überliefert - ebenso wenig wie das seiner Brüder.

Er war der zweitälteste Sohn des Wettiners Konrad der Große, eines der bedeutendsten Fürsten östlich von Elbe und Saale im 12. Jahrhundert.

Als Konrad 1156 der weltlichen Macht entsagte und sich ins Kloster St. Peter auf dem Lauterberg zurückzog, verteilte er sein Land an seine fünf Söhne: Otto als ältester wurde Markgraf von Meißen, Dietrich Markgraf der Ostmark, Dedo wurde Graf von Groitzsch, Heinrich Graf von Wettin und Friedrich Graf von Brehna.

Seit Übernahme des Markgrafentitels erschien Dietrich oft am Hof Kaiser Barbarossas, übernahm für ihn diplomatische Missionen, begleitete ihn auf mehreren Italienfeldzügen und kämpfte an seiner Seite in der Schlacht von Legnano.

Nach der Burg Landsberg wurde er spätestens seit 1174 benannt.

Verheiratet war Dietrich mit der polnischen Königstochter Dobronega - wohl zeitgemäß eine politische Ehe, denn immer wieder gab es kriegerische Auseinandersetzungen an den Ostgrenzen seiner Mark, und vermutlich auch nicht besonders glücklich. Dietrich hatte zwei uneheliche Kinder mit einer Ministerialentochter - auch nichts Ungewöhnliches für diese Zeit. Dass er vorbildlich für ihr Auskommen sorgte, ist es jedoch und spricht für ihn.

Die Autorin Sabine Ebert schreibt historische Romane mit regionalgeschichtlichem Hintergrund (Foto: Detlev Müller).
Die Autorin Sabine Ebert schreibt historische Romane mit regionalgeschichtlichem Hintergrund (Foto: Detlev Müller).

Das war auch einer meiner Anhaltspunkte bei der Erschaffung der literarischen Figur des Dietrich von Landsberg nach seinem historischen Vorbild, doch der wichtigste war seine spektakulärste Aktion: Auf dem Hoftag in Magdeburg im Juni 1179 forderte er den mächtigen Herzog von Sachsen und Bayern, den Welfen Heinrich den Löwen, zum Gottesurteil heraus, zum Zweikampf auf Leben und Tod.

In historisierenden Beschreibungen wird dies oft als spontane Reaktion dargestellt. Der wahre Grund für den Vorwurf des Verrates am Kaiserreich sei, dass der Welfe slawische Verbündete zu Überfällen auf die Ostmark aufgewiegelt habe.

Das mag schon sein. Doch am Hof des Kaisers - und schon gar nicht eines so mächtigen Kaisers wie Friedrich von Staufen - gab es mit Sicherheit keine spontanen Aktionen von solcher Tragweite.

Was steckte dahinter? Viele Jahre hatte Barbarossa die Klagen der Fürsten übergangen, dass Heinrich der Löwe - sein Freund und Vetter und ein ebenbürtiger Anwärter auf den Thron - rücksichtslos das Recht brach und sich wie der Kaiser selbst aufführte, sobald jener in Italien war. Erst 1176 in Chiavenna kam es zum Bruch zwischen den beiden Mächtigen, als der Welfe es ablehnte, den Kaiser erneut mit einer großen Streitmacht auf den nächsten Italienfeldzug zu begleiten. Der Legende nach soll der Kaiser sogar vor dem Herzog - seinem Vasallen! - auf die Knie gefallen sein, um dessen Unterstützung zu bekommen. Ob es so war, darf bezweifelt werden; Berichte darüber tauchen erst viele Jahre später auf. Doch etwas musste vorgefallen sein zwischen ihnen. Denn von nun an war Friedrich von Staufen entschlossen, dem Löwen in aller Form den Prozess zu machen.

Zweimal in Folge hatte der Welfe bereits die Vorladung zum Hoftag ignoriert. Wer dreimal hintereinander der Aufforderung des Kaisers nicht folgte, fiel auch ohne Prozess in die Acht. Es liegt nahe, dass die Herausforderung Dietrichs an Heinrich den Löwen den Zweck hatte, diesen vom Hoftag fernzuhalten, womit er dreimal nicht erschienen wäre und das Fürstengericht ihn in aller Form auch in Abwesenheit verurteilen konnte. Ebenso liegt nahe, dass Dietrich vom Kaiser aufgefordert worden ist, diese Herausforderung auszusprechen.

Dass er dies tat, beweist für mich zweierlei: zum einen muss er gut im Umgang mit dem Schwert gewesen sein, denn die Sache sollte ja abschreckende Wirkung auf den Gegner haben, zum anderen war er wohl ein ziemlich mutiger Mann. Nun lässt sich zwar einwenden, einer Aufforderung des Kaisers hätte er sich schlecht entziehen können. Doch als Dietrich die Herausforderung aussprach, wusste er, dass es für ihn um Leben und Tod ging.

Bei einem Gottesurteil ging immer nur einer der Kontrahenten lebend vom Platz. Wer unterlag oder die ärgere Wunde hatte, wurde an Ort und Stelle hingerichtet. Nach Auffassung jener Zeit hatte Gott mit dem Ausgang des Kampfes gezeigt, auf wessen Seite das Recht war.

Der Zweikampf fand nie statt. Heinrich der Löwe kam, wie vermutlich vom Kaiser erhofft, nicht nach Magdeburg, wurde später vom Fürstengericht mit Acht und Oberacht belegt, musste seine beiden Herzogtümer abtreten und für drei Jahre in der Verbannung zu seinem Schwiegervater, dem englischen König.

Seine Herzogtümer wurden neu verteilt. Nur Braunschweig und Lüneburg durfte der Löwe behalten. Sachsen - damals noch in etwa das Dreieck Nordsee - Harz - Westfalen - ging an die Askanier, nachdem Westfalen und einiger kirchlicher Besitz davon abgetrennt wurden. Als so Bernhard von Anhalt Herzog von Sachsen wurde, umfasste das nunmehrige Sachsen in etwa das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt. Erst viel später, als die Wettiner die Kurfürstenwürde und Sachsen zugesprochen bekamen, wanderte der Name weiter ostwärts zu dem, was wir heute darunter verstehen.

Buchcover des dritten Bandes aus Sabine Eberts Romanreihe um die Hebamme Marthe, erschienen im Drömer-Knaur Verlag.
Buchcover des dritten Bandes aus Sabine Eberts Romanreihe um die Hebamme Marthe, erschienen im Drömer-Knaur Verlag.
Um den Streit zwischen Barbarossa und Heinrich den Löwen, den daraus folgenden Krieg, in dem weite Landstrich schlimm verwüstet wurden, und Markgraf Dietrichs Anteil an dieser Sache geht es im dritten Teil meines Romanzyklus, "Die Entscheidung der Hebamme". Doch als eine der wichtigen Figuren tritt Dietrich von Landsberg auch schon in den beiden ersten Teilen auf: "Das Geheimnis der Hebamme" und "Die Spur der Hebamme".

Gestorben ist Dietrich zu Beginn des Jahres 1185. Die Chronik vom Petersberg berichtet, auf dem Mainzer Hoffest Pfingsten 1184 anlässlich der Schwertleite der beiden Kaisersöhne Heinrich und Friedrich sei er so schwer erkrankt, dass er sich davon nicht wieder erholt habe. Es gibt keine näheren Angaben zu seinem Tod. Also habe ich mir im Roman erlaubt, etwas dramatischer zu gestalten, erkläre das aber im Nachwort.

Doch ein sehr dramatisches Ereignis musste Dietrich von Landsberg noch zu Lebzeiten durchstehen. Sein einziger legitimer Sohn, Konrad, starb 1175 bei einem Turnier. Da die Kirche Turniere mit dem Bann belegt hatte, wurde dem unglücklichen jungen Mann zunächst auch noch ein christliches Begräbnis verweigert - eine doppelte Bürde für den trauernden Vater. Dietrich und seine Brüder reisten gemeinsam zum Magdeburger Erzbischof Wichmann von Seeburg und baten ihn unter Tränen darum, dass Konrad in geweihter Erde begraben werden durfte. Das wurde erst zugestanden, nachdem die Wettiner gelobt hatten, nie wieder zu einem Turnier anzutreten.

Als Dietrich von Landsberg starb, wurde sein Bruder Dedo von Groitzsch - genannt Dedo der Fette oder Dedo der Feiste - Markgraf der Ostmark.

Doch das ist eine andere Geschichte, nachzulesen im vierten Band meiner Romanreihe, "Der Fluch der Hebamme".