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Astrid Koopmann/ Bernhard Meier
Kennst du Erich Kästner?

Ist das dort nicht Kästner, Erich Kästner? Ich habe gehört, er war gerade auf großer Reise - Dresden, Leipzig, Berlin, München oder so. Soll ich dich mit ihm bekannt machen? Kästner mal ganz privat! Er hat immer eine Menge spannender Geschichten auf Lager.

Eine Spickendorfer Spukgeschichte

Eine Spickendorfer Spukgeschichte

Bodo Schwarzberg

Eine Spickendorfer Spukgeschichte

Rund um Spickendorfer Kirche erstreckt sich der schattige kleine Friedhof
Rund um Spickendorfer Kirche erstreckt sich der schattige kleine Friedhof

Leben und Tod - gerade in der Welt unserer Sagen liegen diese beiden Eckpfeiler allen Seins häufig sehr dicht beieinander. Die Unerklärlichkeit des Todes in früherer Zeit beschwor so manche finsteren Phantasien herauf, in denen nicht selten Gespenster und andere Wesen eine zentrale Rolle spielten. In Spickendorf beispielsweise soll sich einst folgendes zugetragen haben:

Ein Nachtwächter, der seit vielen Jahrzehnten durch den Ort ging, um die Häuser und deren Bewohner vor allerlei Räubern und anderen zwielichtigen Gestalten zu schützen, gewahrte eines Nachts in einer dunklen Hoftür eine weiße Gestalt. Längst war seine Öllampe wieder stark verrußt und so glaubte er in deren schwachem Lichtschein zunächst ein Kind zu sehen. Vielleicht hatte es sich verlaufen und nun im Dunkeln Angst bekommen?

Doch als er zugreifen wollte, fragte ihn plötzlich eine dünne Stimme: „Furchtest du dich?" Der alte Nachtwächter winkte verneinend ab, denn Furcht hatte er in den langen Jahren seiner gefahrvollen Tätigkeit längst verlernt. So trat er mit einem weiteren großen Schritt an das merkwürdige Wesen heran und fragte: „Kann ich dir helfen?" Aber da wuchs die geisterhafte Erscheinung plötzlich über den Kopf des Nachtwächters empor und hörte gar nicht mehr auf zu wachsen: „Mir kann niemand mehr helfen", flüsterte es leise von oben. Und plötzlich löste sich der Geist in seinen Linien auf und verschwand im Dunkel der Nacht.

Der Nachtwächter von Spickendorf war ein schweigsamer, längst als etwas wunderlich bekannter Mensch und sagte niemandem etwas von dieser merkwürdigen Begegnung, nicht einmal seiner Ehefrau. Doch am nächsten Tag schlug ihm das Herz bis zum Halse, als er erfuhr, dass morgens aus demselben Haus, vor dem er den Geist gesprochen hatte, die Leiche der Bäuerin getragen worden war.

Immer wieder geschah es nun, dass der Nachtwächter vor Spickendorfer Häusern nächtens eine weiße Gestalt gewahrte, die ihm stets zurief: „Mir kann niemand mehr helfen." Tage später starb ein Bewohner des Hauses.

Der Nachtwächter wollte keine Sorge und kein Leid schon vor dem tragischen Ereignis über die betreffenden Häuser bringen und behielt sein Wissen weiterhin für sich. Nur der Leichfrau sagte er heimlich davon, damit sie immer alles herrichten konnte.

(nach Winkler, o. J.)

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