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Heft 4

Konsonantenverbindungen sind schwer. Wir üben sehr!

Nun kommen Wörter mit neuen Lautbildungen (z. B. sp oder ng) schwierige Konsonantenverbindungen (z. B. Mitlautgruppen am Wortanfang) und ausgewählte rechtschreibliche Besonderheiten (z. B. ck oder tz). Die Wörter werden, in einem Übungswortschatz zusammengefasst, gelesen, geschrieben und mit den Rechtschreibkommentaren nach Prof. Weigt markiert.

Die romanische Doppelkapelle

Die romanische Doppelkapelle "Sanctae Crucis"

Inge Fricke

Die romanische Doppelkapelle "Sanctae Crucis"

Blick auf Landsbergs Wahrzeichen, die romanische Doppelkapelle (Foto: Gunter George, Museum Landsberg)
Blick auf Landsbergs Wahrzeichen, die romanische Doppelkapelle (Foto: Gunter George, Museum Landsberg)

Jeder, der zwischen Halle und Bitterfeld auf Reisen ist, sieht das imposante Gebäude, welches sich auf einer Porphyrkuppe über der Stadt Landsberg erhebt. Viele stillen ihre Neugier und verlassen die geplante Route, um das Ganze einmal aus der Nähe zu betrachten. Eine Informationstafel am Bauwerk verrät, dass es sich bei dem eindrucksvollen Gemäuer um eine romanische Doppelkapelle handelt und dass dieser mächtige Sakralbau ursprünglich zu einer mindestens ebenso eindrucksvollen Burganlage gehörte. Einige Reisende haben vielleicht sogar schon einmal etwas von romanischen Doppelkapellen gehört. Waren das nicht kaiserliche Kapellen, in denen Burgherren und Gesinde getrennt voneinander, aber doch vereint durch die Raumöffnung zwischen den übereinanderliegenden Sakralräumen, am Gottesdienst teilnahmen? Vielleicht hat Mancher sogar schon die Doppelkapellen in Nürnberg oder Goslar besucht.

Im Inneren der Landsberger Doppelkapelle "Sanctae Crucis" erwarten den Besucher eine überwältigende Raumkomposition sowie reiche Schmuckformen der Säulen- und Pfeilerkapitelle, welche das Gebäude zu einem wahrhaften Kleinod der Romanik werden lassen. Fachleute setzen die Landsberger Doppelkapelle mit den kaiserlichen Kapellen in Nürnberg und Eger gleich, ja stellen sie diesen sogar noch voran. Aber wie ist es möglich, daß so ein prachtvolles Bauwerk ausgerechnet in Landsberg errichtet wurde? Und wo ist die offensichtlich gewaltige Burganlage geblieben, zu der diese Doppelkapelle einst gehörte? Wieso künden heute nur noch spärliche Mauerreste von ihr?

Schon frühere Jahrhunderte berichten von Markgrafen, die im 12. und 13. Jahrhundert auf der Burg Landsberg residierten. Es waren die Markgrafen der sächsischen Ostmark und der Lausitz. Dietrich III. (+1185), Sohn Konrads I. des Großen von Wettin (1098-1157), gilt als Erbauer dieser Burg. Urkunden aus den Jahren 1161 und 1174 legen nahe, dass sie in diesem Zeitraum errichtet wurde. Auch über die erhaltengebliebene Doppelkapelle wussten die in Landsberg tätigen Pfarrer vergangener Jahrhunderte so Einiges zu berichten. Besonders intensiv beschäftigten sich die Kunsthistoriker des 19. Jahrhunderts mit dem einzigartigen Gebäude.

Der Zufall führte im Jahre 1981 Gottfried Sehmsdorf als Pfarrer nach Landsberg. Alle historischen Fragen zur prächtigen Doppelkapelle schienen zu diesem Zeitpunkt geklärt. Doch bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass viele Fragen nur vordergründig beantwortet oder noch gänzlich offen geblieben waren. Gottfried Sehmsdorf konnte in seinen Forschungen zur Landsberger Geschichte auf Arbeiten zurückgreifen, die seit dem 19. Jahrhundert rund um die Doppelkapelle erschienen waren, nicht zuletzt auf die Schriften des Landsberger Arztes und Heimatforschers Dr. Rolf Kutscher. Letzterer schuf schon drei Jahrzehnte vor Gottfried Sehmsdorf wichtige Grundlagen für das Geschichtsverständnis vor Ort. Sein früher Tod riss ihn jedoch aus seiner umfassenden Arbeit.

Während seiner Zeit in Landsberg gelang es Gottfried Sehmsdorf, einen unverstellten Blick auf die mittelalterliche Geschichte Landsbergs zu werfen. Der Blick für das Bauwerk, die Topografie des Berges, die Ortslage, verbunden mit den Quellen und historischen Vergleichen, waren es, die Gottfried Sehmsdorf von alten Lehrmeinungen entfernten und neue Erkenntnisse reifen ließen. In Landsberg ist Ortsgeschichte nicht von Territorial- und Reichsgeschichte zu trennen. Dafür ist die Doppelkapelle Landsberg ein wichtiger Zeuge.

Blick in die Unterkapelle mit der Raumöffnung ins Obergeschoss (Foto: Gunter George)
Blick in die Unterkapelle mit der Raumöffnung ins Obergeschoss (Foto: Gunter George)

Gottfried Sehmsdorf legt in seinen Forschungsarbeiten dar, dass die Ursprünge der Landsberger Doppelkapelle in einer Basilika liegen, die Konrad I. (der Große) im Jahre 1136 stiftete. Erst als Dietrich III., zweitältester Sohn Konrads und Markgraf der Ostmark, die Türme der Basilika zurücktauschte, konnte er nach 1161 mit dem Bau seiner Markgrafenburg auf dem Landsberg beginnen. Sein jüngerer Bruder Dedo von Groitzsch (um 1130-1190) machte die Stiftskirche zwischen 1185 und 1190 zu seiner Burgkapelle und damit zur wettinischen Eigenkirche. Konrad II. (+1210), Sohn Dedos von Groitzsch, und ab 1190 Markgraf der Ostmark, erweiterte die Basilika zur Doppelkapelle. Dies entsprach der neuen Funktion des Gotteshauses als Burgkapelle einer Reichsburg sowie dem nunmehrigen Status Konrads, der 1190 Ältester im Hause Wettin und damit Vogt des Klosters auf dem Petersberg sowie 1195 zeitweise der ranghöchste Fürst in der Familie wurde.

Was aber wurde aus der großen Burganlage? Hintergrund der völligen Zerstörung der Burg Landsberg, bei gleichzeitiger Unversehrtheit ihrer Burgkapelle, war ein Rechtsstreit des Schenken Otto, Herr der Herrschaft Landsberg, mit seinen Landesherren, den sächsischen Herzögen. Der sich um ein Erbe betrogen gefühlte Schenk begann 1507 eine Fehde gegen die sächsischen Herzöge. Diese verhängten, als Reichsvikare, 1509 die Reichsacht über den Friedensbrecher. Das Urteil traf auch Burg und Stadt Landsberg. Beide wurden im Jahre 1514, in Vollstreckung der Reichsacht zerstört. Lediglich die Doppelkapelle überdauerte, als wettinische Eigenkirche die Zeiten. Nach 1815 ging sie aus sächsischer (wettinischer) Hand in die Hände des preußischen Staates über und ist heute Eigentum der Kommune.

Seit 1961 wird die romanische Doppelkapelle "Sanctae Crucis" vom Landsberger Museum betreut. In den folgenden Jahren wurden das dritte Geschoss und der Dachboden für die museale Nutzung erschlossen. Es entstanden eine Dauerausstellung zur Berg- und Burggeschichte mit einem sehenswerten Burgmodell und eine Fotoausstellung über romanische Doppelkapellen. Auch ein "Lutherzimmer" wurde eingerichtet, in welchem der Reformator, laut örtlicher Überlieferung, mit zwei Söhnen und deren Hauslehrer übernachtet haben soll. Diese Überlieferung führte in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Lutherreisende in das altehrwürdige Gemäuer. Der neue "Lutherweg" in Sachsen-Anhalt, verweist zusätzlich auf die Landsberger Doppelkapelle.

Der fein gearbeitete Schnitzaltar in der Landsberger Doppelkapelle (Foto: Gunter George)
Der fein gearbeitete Schnitzaltar in der Landsberger Doppelkapelle (Foto: Gunter George)

Die Doppelkapelle ist Teil der "Straße der Romanik", welche sie, als besonders sehenswert, mit einem Stern ausweist. Die "Fürstenstraße der Wettiner", der "Focus Renaissance" und andere Projekte des Landes Sachsen-Anhalt bieten sowohl für Touristen als auch für die örtliche Bevölkerung immer wieder neue Blickwinkel auf die Doppelkapelle. Der "Focus Renaissance" hat übrigens, ebenso wie das Projekt "Gotik in Sachsen-Anhalt", den wunderschönen Schnitzaltar der Doppelkapelle im Visier, welcher um 1525 von Stefan Hermsdorf für die Martinskirche in Zwochau (Sachsen) geschaffen und im Jahre 1732 für die Doppelkapelle angekauft wurde.

Regelmäßige Führungen, hochkarätige Konzerte und thematische Veranstaltungen, Schul- und Vorschulprojekte sowie gelegentliche Sonderausstellungen beleben heutzutage die mittelalterliche Doppelkapelle, von Hochzeiten und Gottesdiensten ganz zu schweigen. Schon häufig wurde die Doppelkapelle zum Drehort für Fernsehproduktionen wie die "Geschichte Mitteldeutschlands". Die laufenden Sanierungen an der Doppelkapelle werden durch einen Museumsmitarbeiter für die Nachwelt dokumentiert.

Quellen (Auswahl):

  • Die Doppelkapelle auf der Burg Landsberg, von Gottfried Sehmsdorf und Gunter George, 1989.
  • Heimatjahrbuch Saalkreis 2006, hrsg. v. Landratsamt Saalkreis.
  • Burgen, Schlösser, Gutshäuser in Sachsen-Anhalt, hrsg. v. Bruno J. Sobotka, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag GmbH & Co, 1994.

Die romanische Doppelkapelle "Sanctae Crucis"

(Fotos: Museum Landsberg)
Lesung mit Autor Thomas Stein (Foto: Inge Fricke)Dreharbeiten zur Geschichte Mitteldeutschlands des Mitteldeutschen Rundfunks (Foto: Gunter George)